Carpi

2. Mobilität des Comenius- Projekts 2011-2013

Am 27.02.2012 sollten Hatice Balakci und Eva Inserra mit der Morgenmaschine nach Carpi / Modena zum Besuch der verschiedenen Schulformen in dieser Stadt fliegen. Leider streikte das Bodenpersonal, so dass wir erst am späten Abend kurz nach Mitternacht in Carpi ankamen und im Hotel einchecken konnten.

1.Tag
Am nächsten Morgen trafen wir uns mit den anderen Teilnehmern um mit dem Bus zur ersten Schule zu fahren: Der Scuola Secondaria di Primo Grado „Odoardo Focherini“.

Das ist eine weiterführende Schule.

Zum Gedenken an Odoardo Focherini hat die Schule in Anlehnung an einen Brauch in Israel einen Olivenbaum im Atrium gepflanzt. Focherini rettete während des zweiten Weltkrieges zahlreiche jüdische Familien, wurde dann selbst ins KZ Buchenwald deportiert und dort hingerichtet.

Dort zeigten uns unsere italienischen Kolleginnen die Räumlichkeiten der Schule und wir konnten an einer Unterrichtsstunde „Deutsch“ teilnehmen. Ebenso schnupperten wir in andere Unterrichtsstunden wie Musik und Förderunterricht für neu zugewanderte Schüler, bzw. Schüler mit einer Behinderung.

Diese Schule ist eine Halbtagsschule mit etwa 820 Schülern.
Davon 11 Schülerinnen und Schüler mit einem Handicap. In Italien gibt es keine Förderschulen. Der Schlüssel für die Insegnante di Sostegno (Förderlehrer) ist 1: 2, leichtere Fälle 1: 4! Es sind wie in Deutschland 25 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse. Alle Schüler werden frontal unterrichtet. Seiteneinsteiger ( z. B. Chinesen ) werden von einem Lehrer mit entsprechender Muttersprache in der ersten Zeit unterrichtet. Unterricht ist jeweils von Montag bis Samstag 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Die Schule hat ein großes Außengelände auf dem auch eine Grundschule und ein Kindergarten untergebracht sind. .
Am Gebäude selbst konnte man Spuren des letzten großen Erdbebens im vergangenen Jahr sehen.

Mittags hatten wir einen kleinen Imbiss. Danach fuhren wir mit Taxen nach Budrione, einem kleinen Vorort von Carpi und besuchten die Grundschule: Scuola Primaria „Martiri per la Liberta`“.

Dort gab es einige Klassen, die uns mit einstudierten Liedern und Tänzen begrüßten. Der Schulhof dort war winzig, aber die Kinder spielten trotzdem auf einer schmalen Grasfläche mit Begeisterung Fußball.
Unterricht ist dort von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr, dafür ist samstags frei.

Am Abend lud uns Rosario D´Amico, Rektor aller vier Schulen von Carpi zu einem typischen Essen der Emilia Romagna ein.

Bekanntermaßen ist diese Region für den Parmaschinken und den Aceto di Modena berühmt. Das Essen war köstlich…….. und viel zu viel!

2. Tag
Am nächsten Morgen war der Treffpunkt kurz nach 8.00 Uhr am Bahnhof von Carpi. Ein wenig Geschichte stand auf dem Plan. Wir fuhren nach Verona!

Unterwegs fiel uns auf, dass das Land sehr flach und von vielen kleinen Entwässerungsgräben durchzogen war. Wir fuhren durch die Po- Ebene! Als wir Verona erreichten, konnten wir am Horizont die Alpen erkennen….

In Verona hatten wir einen Stadtführer, der uns zunächst die berühmte Arena zeigte.

Es ist die drittgrößte Italiens und fasst 20.000 Zuschauer, bei Opernaufführungen nur 17.000. Anschließend ging es zum sogenannten Haus der Giulietta. Täglich besuchen tausende Touristen dieses Haus, auch wenn es nicht erwiesen ist, dass es Romeo und Julia wirklich gab. Shakespeare schrieb viele Stücke die auf italienische Romanciers bezogen waren und in dieser Region spielten.

Anschließend gingen wir zum Haus von Romeo, das nur wenig entfernt lag. In derNähe war auch der Palast einiger Herrscher von Verona, die der Familie Scala angehörten. Drei prunkvolle Sarkophage waren von der Straße aus sichtbar. Überall standen geschichtsträchtige Gebäude , Kirchen und Piazze. Viel zu schnell war es später Nachmittag und wir fuhren voller neuer Eindrücke zurück nach Carpi.

3. Tag
Am dritten Tag arbeiteten wir weiter am Programm und überlegten die nächsten Aktionen in den einzelnen Schulen. Termine wurden abgesprochen, neue Ideen zu unserem Thema „ How to keep fit“ besprochen. Jede Schule überlegte, wie sie Kontakt zu den Kollegen und Kindern aus England, der Tschechei, Polen, Italien und Deutschland halten könnten…

Als dritte Mobilität und damit nächster Treffpunkt ist die Schule in Brandys nad Orlici in der Tschechei.
Dort werden wir uns am 09. 05. bis 11.05.2012 erneut treffen.

In der Zwischenzeit halten wir Kontakt per E-Mail oder schicken uns gegenseitig Briefe, z.B. Osterkarten der einzelnen Klassen der verschiedenen Schulen, Infos und telefonieren.

Nachtrag zum Aufenthalt in Carpi

Im Mai 2012 erschütterten mehrere schwere Erdbeben die Region um Carpi. Das Epizentrum lag etwa 10 km von den von uns besuchten Schulen entfernt.
Die Schulen wurden wegen Einsturzgefahr vorzeitig geschlossen, die Kinder in die Ferien entlassen.
Unsere italienischen Kolleginnen berichteten, dass viele der historischen Gebäude, die wir ein paar Wochen vorher gesehen hatten eingestürzt, beziehungsweise stark beschädigt waren. Die Innenstadt von Carpi war
gesperrt. Das Krankenhaus war in Zelten, die Büros des Rathauses in Campingbussen untergebracht.
Die Kolleginnen schliefen mit ihren Familien teils in Zelten oder in ihren Autos.
Immer wieder erschütterten kleine Nachbeben die Stadt.